If there is no consent, it’s not my revolution!

+++Von Mackern und dem Patrichat – warum wir Konsens auch in der politischen Praxis brauchen+++

Für immer mehr Menschen spielt Konsens in Fragen des Privatem, bzw. der Beziehung, eine immer größere Rolle. Was wir nur gutheißen können. Doch wir sind auch der Auffasung, dass es nicht ausreicht nur in der Beziehung, mit Freund*innen oder beim S*x, Konsens zu leben, sondern dieser in die politische Praxis hineingetragen werden muss.

Warum wir Konsens in der politischen Arbeit brauchen?

Egal ob bei Plenas, bei der Textarbeit oder in Bezugsgruppen. Konsens ist immer wichtig. Denn in Zeiten in denen autoritäre Kräfte immer stärker werden, Macker poltische Treffen dominieren und die radikale Linke somit autoritäre und liberale Strukturen des Staats reproduziert, sind wir der Ansicht, dass es mal ein Plädoyer für mehr Konsens in der radikalen Linken braucht.

Viele Linke sind der Meinung der Übermacht der staatlichen Struktur und der staatlichen Hierachien, mit eigenen Strukturen und Hierachien entgegenzutreten. Wohin diese autoritären Strukturen geführt haben, sehen wir in China, der Sowijetunion, auf Kuba, etc. Wir sehen es als absolut notwendig an, Hierachien abzubauen und somit autoritären Strukturen entgegenzutreten. Konsens ist eines der entscheidenen Mittel auf dem Weg dort hin.

Entscheidungsfindung

Konsens fängt im Kleinen an. Ihr kümmert euch mit Freund*innen um Faschosticker, ihr arbeitet mit Gefährt*innen einen Text aus, ihr plant in eurer Kleingruppe eine Aktion. Egal was ihr macht und egal wie krass oder harmlos es für euch ist. Jede*r bewertet Situationen anders. Was für die*den eine*n nur ein harmlose Sache ist, bedeutet für die*den andere*n schon eine groß Überwindung. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle! mit der Sache zu 100% einverstanden sind und offen über Bedenken und Ängste gesprochen wird. Denn das ist Konsens. Alle stimmen einer Sache zu.

Aber es gibt doch immer unterschiedliche Ansichten?

Natürlich, ist dies der Fall. Wir als Anarchist*innen betrachten das Individuum. Und alle Menschen sind unterschiedlich. Doch auch hier gibt es genug Möglichkeiten. Entweder die Differenzen sind für die aktuelle Sache nicht relevant, oder sie können geklärt werden. Auch ist es möglich, dass mensch bei einer Sache einfach nicht mit macht, sie aber grundsätzlich gut heißt. Die letzte Möglichkeit ist das Veto. Vetos sind beim Konsens selbstverständlich, denn wenn es keinen Konsens gibt, liegt ein Veto mindestens eines Menschen vor. Dann muss die Sache entweder abgesagt werden, verändert werden oder nochmals diskutiert werden, denn es kann sich auch einfach nur um ein Missverständis handeln. Es kann aber genauso sein, dass es sich um ein sinnvollen Einwand oder ein Bedenken handelt. Im Zweifel schützt euch eine gut etablierte und gelebte Konsensstruktur vor Fehlern. Hierzu gehört auch, dass Menschen die offener in Gruppen kommunizieren (können), sich selber zurücknehmen und versuchen andere aktiv mit in Entscheidungsprozesse und Diskussionen einzubinden.

Hier zeigt sich wieder, dass Hierachien und Machtstrukturen nicht nur Leute ausgrenzen, sondern auch gefährlich sein können.

Aus diesem Grund schlagen wir ein mehrstufigen Entscheidungsablauf vor:

1. Zustimmung -> mensch beteiligt sich an der Aktion

2. Enthaltung/ leichte Bedenken -> mensch beteiligt sich nicht, heißt die Aktion aber grundsätzlich gut

3. Veto/ schwere Bedenken -> mensch hält eine Sache für grundsätzlich falsch. Gründe können von persönlicher Ablehnung, über dass es politisch falsch ist, bis hin zu den ggf. erwarteten Repressionen reichen.

Aber so kommen wir doch nie zu einer Entscheidung?

Doch, meistens ist es kein Problem ein Konsens für eine Sache zu finden. Und auch in größeren Gruppen und Vernetzungen, funktioniert dies erstaunlich gut. Wie gerade geschrieben, handelt es sich meistens um Missverständnisse oder Kleinigkeiten, die recht zügig beseitigt werden können. Gibt es größere Differenzen ist es gut, diese mal zu diskutieren, denn ein Veto zeigt, dass dies bisher noch nicht passiert ist.

Bei Dynamiken, zB. bei Aktionen, muss aber doch schnell entschieden werden?

Dass ist richtig, deshalb ist es um so wichtiger sich im Voraus in der Bezugsgruppe abzusprechen, um in kritischen Momenten ruhig und überlegt handeln zu können. Für Repressionsorgane ist es viel praktischer eine unorganisierte Gruppe vor sich zu haben, die auf Anweisungen wartet und in Hektik verfällt. Somit ist Konsens nicht nur Teil einer emanzipatorischen Politik, sondern viel mehr auch ein wichtiger Selbstschutz. Denn nur selbstdenkende, selbständig handelende Menschen können sich wirklich emanzipieren und den liberalen und autoritären Staat überwinden.

Wie binde ich andere ein?

Auch dies hat was mit Machtstrukturen zu tun und ist eng mit dem Konsensprinzip verknüpft. Denn Menschen einzubinden ist relativ einfach. Stellt euch einfach mal folgende Fragen:

Wer moderiert ein Treffen?

Wer schreibt Protkoll?

Wer vertritt die Gruppe in anderen Zusammenhängen?

Gibt es Skillsharing?

Wenn ihr diese Punkte umsetzt, Konsens lebt und Leute ermuntert sich zu äußern und Verantwortung zu übernehmen, baut ihr nicht nur Hierachien ab, sondern bindet Leute auch aktiv ein. So werden FLINT*-Personen die auf Grund der patriarchalen gesellschaftlichen Strukturen, häufig im Hintergrund stehen, stärker involviert.

Konsens ist also ein Mittel im Kampf gegen Patriarchat und Queerfeindlichkeit.

Wichtig: Ein Konsens muss von allen klar ausgedrückt werden! Es reicht nicht aus, wenn eine Person (ja, leider häufig Macker) sagt: „Wir sind uns ja einige drüber, dass…“ oder „Ich denke ich spreche im Namen aller, dass…“

Fazit

Aus diesem Grund, achtet auf Konsens. Egal ob im Freund*innenkreis, in eurer Bezugsgruppe oder beim nächsten Plenum. Konsens bindet alle mit ein, diskriminiert keine marginalisierten Gruppen und ist häufig viel einfacher als ihr vielleicht denkt. Und zu guter letzt schützt Konsens, welcher auf Vertrauen und Kommunikation aufbaut, euch und eure Strukturen, da er alle Sichtweisen mit einbindet und ihr so bei Dynamiken selbstsicherer seid.

Keine Staaten, keine Regierungen, keine Autoritäten, keine Zentralkommites – Für die Anarchie!

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